Agnes

22. August - 14. September 2018

von Peter Stamm

Die Liebe und die Macht der Literatur

Ihre Blicke begegnen sich zum ersten Mal in einer Bibliothek in Chicago. Er ist ein Schweizer Sachbuchautor, der zum Thema Luxuseisenbahnwagen recherchiert, sie schreibt an ihrer Dissertation über Sym metrien von Kristallgittern.
Aus einer Zigarettenpause und gemeinsamem Kaffeetrinken entwickelt sich eine Liebesgeschichte. Sie fordert ihn mit den grossen Fragen des Lebens heraus, er ist fasziniert von ihr. Nach einem Ausflug macht Agnes einen folgenreichen Vorschlag. Sie bittet ihn, ein Porträt über sie zu schreiben. Sie möchte wissen, wie er sie sieht. Zuerst zögert er, dann willigt er ein und beginnt ihre gemeinsame Geschichte aufzuschreiben. Als er in der Gegenwart ankommt, wird die Erzählung zum Drehbuch ihres Zusammenlebens. Agnes folgt dem, was er zu Papier bringt. Unaufhaltsam gewinnt die Fiktion immer mehr Macht über ihr Leben.

Vor 20 Jahren, am 1. August 1998, veröffentlichte Peter Stamm seinen Debütroman «Agnes». Mit der zentralen Frage, die der Roman aufwirft, beschäftigte sich auch die Verfilmung, die 2016 in die Kinos kam: Was passiert mit der Liebe, wenn man über sie schreibt?
Peter Stamm wurde 2018 als einziger deutschsprachiger Schriftsteller für den alternativen Literaturnobelpreis der Neuen Akademie nominiert. Im Herbstsemester 2018 unterrichtet der Schweizer Schriftsteller als zehnter «Friedrich Dürrenmatt Gastprofessor für Weltliteratur» an der Universität Bern.

Stückeinführungen: 24./25./26. August und 11. September 2018
Am 25. August findet die Einführung mit dem Autor Peter Stamm statt.
Im Anschluss an die Vorstellung können Sie Bücher von Peter Stamm erwerben und diese signieren lassen.

Die Stückeinführungen finden jeweils um 19.30 Uhr  (sonntags um 16.30 Uhr) im Zuschauerraum statt.
Eintritt frei

​Bühnenfassung: Stefan Meier, Team

Inszenierung:

Stefan Meier

Besetzung:

Agnes Amélie Belohradsky
Er        Lars Wellings

Echos

Fritz Vollenweider, Seniorweb

Alles in allem setzt DAS THEATER an der Effingerstrasse mit dieser Inszenierung gleich zu Beginn der neuen Spielzeit eine ansehnlich hohe Marke.

Stefan Meier hat diese Bühnenfassung mit allem Gespür für die formalen, darstellerischen, literarischen und menschlichen Aspekte des Stoffs inszeniert. Als Vorteil kann man auch empfinden, dass die Darstellerin Amélie Belohradsky und der Darsteller Lars Wellings, zwei Schauspieler mit geografisch und beruflich weiter Erfahrung, auf der Effingerbühne erstmals zu sehen sind. Nicht nur die unverbrauchten Gesichter wirken eindrücklich, sondern vor allem ihre gründlich in den Geist und die Handlungselemente dieser Geschichte über Leben, Liebe und Tod dringende und spannungsvoll beides umsetzende Präsenz. Mit sparsamen, dennoch sehr eindringlichen Mitteln der Mimik – bei Agnes vor allem auch der Augen – gelingt es ihnen, sowohl Geschichte als auch mögliche oder vermutete Realität mit Leben, Irren, Lieben und Leiden zu füllen und damit aus zwei Handelnden einer Erzählung – ursprünglich ja eines Romans – zwei Menschen zu gestalten, die einem mitfühlenden, doch auch – vor allem gegenüber dem Mann – nicht unkritischen Begegnen standhalten.

Lena Rittmeyer, Der Bund

Amélie Belohradsky stattet ihre Agnes zwar mit der angenehm kühlen Skepsis einer Intellektuellen aus, und Lars Wellings verleiht dem Mann eine selbstmitleidige Getriebenheit. Sarah Bachmanns Kostüme unterstreichen diese Typen: Sie im seriösen Freizeitlook, er im dominanten Mantel.

Marina Bolzli, Berner Zeitung

Der Icherzähler (Lars Wellings) ist ein arroganter und distanzierter Typ, Agnes (Amélie Belohradsky) eine zerbrechliche und liebesbedürftige junge Frau. Gemeinsam stehen sie auf der Bühne des Effingertheaters, in einem bedrückenden Kammerspiel. «Agnes» ist die Bühnenfassung des gleichnamigen Romans des bekannten Ostschweizer ­Autors Peter Stamm. Effinger-Hausregisseur Stefan Meier hat nah am Text gearbeitet, nur wenige Szenen ausgelassen, nur wenige Details verändert.

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